Wahre Hingabe

"Ob ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, tut alles zur Ehre Gottes"
1.Korinther 10,31

"Und alles, was ihr tut, in Worten oder in Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen."
Kollosser 3,17.23

"Denn keiner von uns lebt für sich selbst, und keiner stirbt für sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn . Darum, ob wir nun leben oder sterben, gehören wir dem Herrn."
Römer 14, 7-8

Diese Bibelstellen zeigen das Wesen wahrer Hingabe an Gott. Bei der Untersuchung dieses Themas möchte ich über folgendes sprechen:

I. Was ist wahre Hingabe an Gott nicht?
II. Was ist wahre Hingabe an Gott?
III. Hingabe, und nichts weniger als Hingabe, ist echtes Christsein.
IV. Einige Fehler, die gewöhnlich bei diesem Thema gemacht werden.

I. Was ist wahre Hingabe an Gott nicht?

  1. Hingabe besteht nicht darin, die Bibel zu lesen oder zu beten oder Versammlungen zu besuchen. Diese Dinge mögen Ausdrucksformen für Hingabe sein, dürfen aber nicht als Hingabe selbst angesehen werden.
  2. Hingabe besteht nicht in einer privaten oder öffentlichen Übergabe unseres Lebens an Gott. Dies ist ein besonderer Akt ein Gelübde oder Versprechen der Hingabe, aber nicht die Hingabe selbst.
  3. Hingabe besteht nicht in einzelnen Taten oder Übungen irgendeiner Art. Es mögen wirklich hingebungsvolle Taten sein, d.h. "Taten der Hingabe", aber wir dürfen nicht vergessen, dass Taten und Übungen an sich noch keine Hingabe ausmachen.

II. Was ist wahre Hingabe an Gott?

Hingabe ist die Haltung des Herzens, in der alles unser ganzes Leben, unser Sein und Haben ein fortwährendes Opfer für Gott d.h. ständig Gott hingegeben ist. Wahre Hingabe ist höchste Hingabe des Willens, die sich über alles erstreckt, was wir sind und haben zu jeder Zeit, an jedem Ort, bei allen Beschäftigungen, Gedanken und Gefühlen.

Deine Vorstellungen, wie ein Pastor sein sollte, können veranschaulichen, was ich meine. Du denkst wahrscheinlich, ein Pastor sollte bei der Verkündigung des Evangeliums nur eine Absicht haben: Gott zu verherrlichen durch die Errettung (und später durch die Heiligung) von Sündern. Da er sich für einen Diener Gottes ausgibt, sollte er deiner Meinung nach das Studieren, Predigen und Ausüben aller geistlichen Pflichten nicht nur für sich selbst tun, noch für sein Gehalt oder zur Steigerung seiner Beliebtheit, sondern nur, um Gott zu verherrlichen.

Sein Dienst ist für Gott nur dann annehmbar, wenn er mit solch einem ungeteilten Herzen geschieht. Denn sonst wäre dieser Dienst kein Opfer für Gott, keine Hingabe an Gott, sondern eine Hingabe an sich selbst.

Hingabe ist bei einem Pastor also die Gesinnung, in der alle pastoralen Pflichten zur Ehre Gottes ausgeführt werden und das ganze Leben ein ständiges Opfer für Gott ist.

Weiterhin meinst du, ein Diener Gottes sollte auch bei allem anderen so an Gott hingegeben sein wie beim Beten und Predigen und du hast recht damit! Ja, er sollte das nicht nur, sondern er ist tatsächlich auf der Kanzel nur so weit hingegeben, wie er es ist, wenn er nicht auf der Kanzel steht. Wird er während der Woche von selbstsüchtigen und weltlichen Motiven beeinflusst, sind dieselben Motive sicher auch am Sonntag in seinem Herzen.

Drehen sich seine Gedanken während der Woche um seine eigenen Interessen - ist er also nur bemüht, sich selbst zu fördern - kann man sicher sein, dass er am Sonntag genauso ist.

Ein Pastor, dessen Hingabe nur äußerer Schein ist, der also predigt, betet, Besuche macht und Amtshandlungen ausführt, um seine Familie zu versorgen oder selbst Ehre und Aufmerksamkeit zu gewinnen ein solcher Pastor wird von dir sicher als ein schlechter Mensch angesehen, der unweigerlich verloren geht , wenn er sich nicht bekehrt.

Wenn das deine Ansichten zu diesem Thema sind, hast du zweifellos recht. An diesem Punkt, an dem du nicht persönlich betroffen bist, fällst du ein richtiges Urteil. Im Bezug auf den Charakter und die Bestimmung eines solchen Mannes entscheidest du richtig. Aber jetzt denk daran: Genau das ist der Maßstab für Hingabe in deinem Leben! Vergiss nicht: Hingabe besteht nicht in besonderen Taten oder Eifer oder überschwenglichen Gefühlen oder in Beschlüssen, sich zu ändern, oder Gelübden, später einmal gehorsam zu sein.

Hingabe ist die Haltung des Willens, in der unser ganzes Leben völlig in Gott aufgeht als dem Objekt unserer höchsten Liebe. Dann leben und handeln wir nicht nur mit Gott, sondern für Gott. Mit anderen Worten: Hingabe ist die innere Einstellung, bei der die Aufmerksamkeit vom eigenen ICH weg auf Gott gerichtet wird alle Gedanken, Absichten, Wünsche, Neigungen und Gefühle hängen an Ihm und sind Ihm hingegeben.

III. Hingabe, und nichts weniger als Hingabe, ist echtes Christsein.

Hingabe und echter Glaube sind identisch.

  1. Wir empfinden es als selbstverständlich, uns dem, was wir am meisten lieben, ganz hinzugeben. Wenn wir Gott über alles lieben, wird Er derjenige sein, für den wir leben. Wenn jemand Gott über alles liebt, wird es ihm genauso selbstverständlich sein, für Gott zu leben, wie überhaupt zu leben!
  2. Nichts weniger als das kann für Gott annehmbar sein. Wenn Hingabe nicht eine Gewohnheit oder eine innere Haltung ist, wenn nicht das ganze Leben ein Opfer für Gott ist, dann hat er einen Rivalen in unserem Herzen. Und das wird Er nicht dulden! Ihn nur durch vereinzelte Hingabe Akte zufrieden stellen zu wollen (die keine Gewohnheit und kein Zustand des Herzens sind), ist noch viel abscheulicher, als wenn eine Frau ihrem Mann durch ein gelegentliches Lächeln gefallen will, während sie doch nur dafür lebt, einem anderen Mann zu gefallen und dessen Zuneigung zu gewinnen.
  3. Ein Abweichen von dieser Gesinnung ist Abfall des Herzens. Wie auch immer das äußere Verhalten eines Menschen aussehen mag: In dem Moment, in dem er sich von einer aufrichtigen Hingabe an Gott abwendet (von einer vollständigen Weihe seines ganzen Daseins für den Dienst Gottes), hat er das echte Christsein in seinem Herzen verleugnet. Er dient nicht mehr Gott, sondern dem, worauf sein Herz gerichtet ist. Das ist dann das Objekt seiner Hingabe, d.h. das ist sein Gott!

IV. Einige Fehler, die gewöhnlich bei diesem Thema gemacht werden.

  1. Viele meinen, es bestünde ein wesentlicher Unterschied zwischen „geistlichen“ und anderen Pflichten als ob man "seine Pflicht tun" könnte in einer Sache, die nicht Gott ausgeliefert ist. Unter "geistlichen" Pflichten versteht man normalerweise persönliches Beten und Lesen der Bibel, sowie Singen und Beten in der Gemeinde. Am Sonntag halten sich die Leute für fromm, während sie an den Wochentagen (abgesehen von den wenigen Handlungen, die sie Ihre "Andacht" nennen) sich selbst dienen und sich ihren eigenen Interessen hingeben.
    Nun, solche Vorstellungen können nur da entstehen, wo wahre Hingabe völlig fehlt. Menschen, die derartige Ansicht en haben, verstehen noch gar nicht, was echtes Christsein eigentlich ist. Nichts ist nur eine "Pflicht", wenn es für Gott getan wird. Ein echter Christ ist bei seinen täglichen Beschäftigungen genauso Gott hingegeben wie am Sonntag. Er verrichtet die weltlichen Geschäfte mit derselben Einstellung und derselben Absicht wie das Beten, Bibellesen und den Gottesdienstbesuch am Sonntag. Ist das nicht der Fall, kann er kein echter Christ sein.

  2. Nun gibt es einige Leute, die wirklich für Gott leben und offensichtlich eine Haltung der Hingabe haben, aber nicht erkennen, dass jede Tat, die für Gott getan wird, Ihm genauso gefällt wie Gebet und Lobpreis. Wenn notwendige Aufgaben sie daran hindern, besonders viel Zeit im Gebet zu verbringen oder viele Versammlungen zu besuchen, nutzt Satan ihre Unwissenheit aus und bringt sie in Unfreiheit. Er versucht sie davon zu überzeugen, dass sie ihre Pflichten Gott gegenüber vernachlässigten, indem sie andere Dinge erledigten.
    Wenn du ein Gott hingegebenes Leben führst, solltest du dies verstehen: Wenn Gottes Vorsehung dich einmal zu Hause bleiben lässt, um Kranke zu pflegen, oder dich daran hindert, die Stunden einzuhalten, die du sonst im persönlichen Gebet verbringst, solltest du dich deswegen nicht in Unfreiheit oder Schuldgefühle treiben lassen vorausgesetzt, du tust diese anderen Pflichten wirklich für den HERRN.

  3. Andere denken, die Hingabe sollte wohl ernsthaft sein, beziehen sich aber nur auf bestimmte Pflichten. Das bedeutet, man könne ernsthaft und mit richtigen Motiven beten und doch in der Verrichtung seiner Geschäfte weltlich gesinnt sein. Wer einmal aufrichtig darüber nachdenkt, wird bald überzeugt sein, dass das völlig unmöglich ist. Die Hingabe an Gott kann nur in dem Maß ernsthaft sein, wie sie die Selbstsucht beseitigt. Hingabe und Selbstsucht sind ewige Gegensätze.

  4. Viele verwechseln die Religion des Gefühls mit der des Willens. Das erkennt man an ihrem Leben: Sie lösen sich in Tränen auf und scheinen innerlich zu zerbrechen. Sie versprechen, sich zu ändern, und wollen sich Gott ganz weihen. Hast du aber am nächsten Tag geschäftlich mit ihnen zu tun, begegnen sie dir äußerst selbstsüchtig, gar nicht Gott hingegeben, sondern nur ihren eigenen Interessen. Sie sind bereit, jeden Vorteil auszunutzen, sogar gegenüber ihren Geschwistern. In diesem Fall ist offenkundig, dass ihre Tränen und ihr Zerrbruch nicht anderes als ein Ausbruch ihrer Gefühle waren kein an Gott ausgelieferter und hingegebener Wille.

Einige hilfreiche Bemerkungen

  1. Ein Geist der Hingabe verwandelt die langwierigsten Sorgen und die drückendsten Arbeiten in tiefste und beständigste Gemeinschaft mit Gott. Je drückender und ermüdender unsere Pflichten sind, desto tiefer und beständiger ist unsere Gemeinschaft mit Gott wenn wir die Aufgaben für ihn tun. Denn alles, was in einem Geist der Hingabe getan wird, ist Gemeinschaft mit Gott.

  2. Wer bei seiner normalen Tätigkeit keine Gemeinschaft mit Gott hat, lebt nicht als Christ. Wenn du bei deiner Alltagsbeschäftigung nicht bewusst Gemeinschaft mit Gott pflegst, liegt das daran, dass du deine Beschäftigung nicht in einem Geist der Hingabe ausführst. Und was nicht in einem Geist der Hingabe ausgeführt wird, ist Sünde. Denn “alles, was nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde” (Römer 14,23).

  3. Wer die normalen und rechtmäßigen Aufgaben des Lebens nicht ausführen kann, ohne dabei von Gott weggezogen zu werden, befindet sich ganz sicher nicht in einem geheiligten Zustand.

  4. Alles, was man nicht in einem Geist der Hingabe tun kann, ist nicht richtig. Wenn es dir unmöglich erscheint, eine Sache als einen Akt der Hingabe an Gott auszuführen, ist diese Sache nicht richtig du selbst fällst das Urteil.

  5. Alles, was an sich weder richtig noch falsch ist, wird richtig oder falsch, je nachdem, ob es in einem Geist der Hingabe getan wird oder nicht. Deshalb:

  6. Ein selbstsüchtiger Mensch kann einen geistlichen Menschen wegen etwas verurteilen, was Sünde wäre, wenn er es selbst täte weil seine Motive falsch sind. Und er nimmt an, dass das Verhalten des anderen auch falsch motiviert ist, wie sein eigenes.
    Andererseits kann ein geheiligter Mensch einem selbstsüchtigen Menschen etwas unangemessen hoch anrechnen, weil er es für selbstverständlich hält, dass bei einer richtigen Tat auch das Motiv richtig sei.

  7. Man kann keinen Frieden im Herzen haben, wenn man sich nicht im Zustand der Hingabe befindet. Keine andere Gesinnung ist vernünftig. Bei keiner anderen Einstellung können die geistigen Kräfte in Harmonie eingesetzt werden. In jedem anderen Zustand, der keine Hingabe an Gott ist, herrscht im Herzen Kampf, Aufruhr und Streit. Das Gewissen tadelt das Herz wegen seiner Selbstsucht. Deshalb "gibt es keinen Frieden für den Gottlosen, spricht der HERR" (Jesaja 48,22).

  8. Diejenigen haben Frieden, deren Herz auf Gott vertraut (vgl. Jesaja 26,3) in einer Haltung ständiger Hingabe. Es ist unmöglich, dass sie keinen Frieden haben, denn Hingabe schließt Frieden mit ein.
    Und nun sag einmal: Hast du den Geist wahrer Hingabe? Antworte nicht: "Ich hoffe", denn du solltest dich keinen Augenblick lang mit weniger als einer klaren Gewissheit darüber zufrieden geben. Wenn du Gott hingegeben bist, weißt du es. Und wenn du dir nicht bewusst bist, Gott hingegeben zu sein, dann deshalb, weil du nicht hingegeben bist.

"Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht verspotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf den selbstsüchtigen Willen sät, wird von ihm das Verderben ernten; wer aber auf den Geist Gottes sät, wird von ihm das ewige Leben ernten"
(Galater 6, 7-8)